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Das Philipp-Melanchthon-Gymnasium Bautzen
Das Gymnasium als solches ging direkt aus der im Zuge der Reformation entstandenen evangelischen Ratsschule hervor, die 1527 gegründet wurde. Die im Jahre 1526 von dem Domherren M. Hieronymus Ruperti gemachten Aufzeichnungen weisen aus: " 1526 ist die Schule allein gewesen im Domstift. 1527 hat sich der Dekan Küchler mit dem Rath der Schule halber verglichen, und soll das capitulum einem rectorem, der Rath aber einen paedagogum, ein jeglicher auf seine Umkosten halten." Die Schule war zunächst ein Franziskanerkloster, dann in der St. Michaeliskirche und schließlich in der Tuchmacherbastei untergebracht.
Der erste für 1532 genannte Schulmeister war Jakob Loß, eine späterer Ratsherr. Unter dem Rektor Joachim Knemiander ( zu deutsch Hosemann) begann 1534 die Schule den Charakter einer "Selecta" (nur wenige begabte Schüler wurden nach einer Aufnahmeprüfung aufgenommen) aufzunehmen. Damit spielte die Schule die gleiche wichtige Rolle wie die 1524 nach Luthers Denkschrift "An die Bürgermeister und Rathsherren aller Städte deutschen Landes, dass sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen" in Halberstadt, Magdeburg und Nordhausen eröffneten Schulen.
Die Bedeutung der Evangelischen Ratsschule zeigte sich auch darin, dass Philipp Melanchthon direkten Einfluss auf deren Entwickelung nahm.
… seine Tochter heiratete bekanntlich den Bautzener späteren Kurfürstlichen Sächsischen Leibarzt Kaspar Peucer (dem übrigens der Bautzener Rotary-Club vor der Gaststätte "Karasek" durch eine Stele anlässlich der Tausendjahrfeier ein Denkmal gesetzt hat). Am 25. Juni 1559 hielt Melanchthon in der Evangelischen Ratsschule einen Vortrag über Johannes den Täufer. In der Schule wurden zunächst vier Klassen (sie wurden beziehungsreich auch "Haufen" genannt) eingerichtet, die von vier bis fünf Lehrern in Religion, Dialektik und Rhetorik, Latein, Griechisch, Arithmetik und ein wenig Deutsch unterrichtet wurden. Die Schüler waren sechs bis sieben Jahre alt. Die Unterrichtszeit erstreckte sich von sechs bis neun Uhr vormittags (im Winter von sieben bis zehn Uhr) und von zwölf bis drei Uhr nachmittags.
Seit 1588 gab eine Schulglocke das Signal zum Beginn des Unterrichts. Diese Glocke wurde 1634 beim Brand der Tuchmacherbastei zerstört. 1686 wurde eine neue gegossen, sie hängt heute über dem Hintereingang des Gymnasiums. 1861 hatte die Schule ca. 150 Schüler, damit wurde der Unterricht in der Tuchmacherbastei unerträglich. Der Landtag bewilligte deshalb 20000 Taler zum Kauf eines Grundstückes, auf dem eine neue Schule gebaut werden sollte.
1867 wurde das neue Gymnasium eingeweiht.
Die alte Schulglocke wurde als Symbol der Kontinuität der humanistischen Ausbildung über dem Hintereingang in einem neuen Türmchen aufgehängt.
Über dem Vordereingang ließ der damalige Rektor Palm den Leitspruch Doctrinae Sapientiae Pietati (der Unterweisung der Weisheit dem Pflichtgefühl) anbringen. Die Bilder in der Aula malte und stiftete 1876 der Professor an der Kunstakademie Dresden und ehemalige Schüler Ehrhardt. Sie zeigen Homer als Rhapsode (Erzähler), Cicero, der den Senator Catilina aus dem Senat weist, Gutenberg, der am Vorabend der Reformation seine erste gedruckte Bibel dem Volk zeigt. Diese Bilder sollten die humanistischen Traditionen des Gymnasiums symbolisieren. 1884 wurde an beiden Seiten des Gebäudes ein weiteres Teil angebaut und 1899 wurde die Turnhalle errichtet.
1872 erhielt das Gymnasium im Garten des heutigen Berufsgymnasiums eine Sternwarte - die zweitälteste Schulsternwarte Deutschlands (aus diesem Grund gehört die heutige Schulsternwarte "Johannes Franz" im Naturpark Bautzen seit 6. März 2003 wieder zu unserem Gymnasium, für die wir interessierte Schüler, Lehrer und Eltern zur Mitarbeit im Förderverein dringend suchen). Im Jahre 1900 wurden im Gymnasium 278 Schüler von 21 Lehrern unterrichtet. Bemerksamswert war, dass "Wendisch" bis 1938 ein ordentliches Lehrfach war.
Das Bautzener Gymnasium bestand bis 1936 als Humanistisches Gymnasium, d.h. Latein und Griechisch waren Pflichtfremdsprachen.
Doch wurde das Gymnasium seit dem 19. Jahrhundert an die Bildungserfordernisse der gesellschaftlichen Entwicklung mehr und mehr angepasst - das Griechische und Lateinische wurden zugunsten der modernen Sprachen und der Naturwissenschaften zurückgedrängt. 1939 wurden im Nationalsozialismus viele humanistische Gymnasien gleichgeschaltet- so auch unseres - es wurde eine "Staatliche Oberschule für Jungen".
Neben vielen verdienstvollen Bürgern der Stadt Bautzen, u.a. den Herren Stieber und Mättig, die als großzügige Spender des Gymnasiums auftraten, besuchte auch General Olbrich, der 1944 hingerichtet wurde, das Gymnasium. Er war als patriotischer Offizier, der die Hitlerbarbarei nicht länger mit verantworten wollte, am Attentat gegen Hitler beteiligt.
Nach dem 2. Weltkrieg war im Gebäude des Gymnasiums bis 1949 eine Handelsschule, bis 1960 eine Berufsschule und anschließend bis zur Wiedereröffnung des Gymnasiums im Jahre 1992 eine "Allgemeinbildende Polytechnische Oberschule" untergebracht.
1998 wurde unserem Gymnasium der Name "Philipp Melanchthon" verliehen.
Nicht zuletzt deshalb, um damit auch die Wiedereinführung der lateinischen Sprache als erste Fremdsprache zu würdigen.
Obwohl wir durch die Einführung der neuen Lehrpläne und der damit verbundenen Neukonzipierung der Sprachausbildung Latein erst ab der sechsten Klasse einführen, sind wir ein Gymnasium in Bautzen, das Latein als zweite Fremdsprache führt.
Heute ist unser Gymnasium eine moderne Ausbildungsstätte, die sowohl mit einer hohen naturwissenschaftlichen als auch einer gediegenen sprachlichen Bildung die Schüler zur Hochschulreife führt.
Text-Quelle: Gyze, Ausgabe 45 2/2004, Seite 14/15.
Foto-Quelle: Das Bautzener Gymnasium in vier Jahrhunderten, Dr. Richard Needon, 1927
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