Finnen-Wirtschaftswoche" am PMG In der Zeit vom 6.10.08 bis 11.10.08 besuchten 13 Schüler und 2 Lehrer aus Finnland unser Gymnasium. Die finnischen Gäste, die vom Gymnasium Hämenenlinna kommen, interessieren sich besonders für die Zusammenarbeit von Schule und Wirtschaft an unserem Gymnasium. Die Gäste erwartet ein umfangreiches und interessantes Programm, das mit den verantwortlichen Lehrern der Berufsakademie Bautzen und den Lehrern unserer Schule - insbesondere unter Federführung von Frau Galle und Herrn Kandler - erstellt wurde. Wir wünschen allen Beteiligten gutes Gelingen. Bericht - Dörthe Montag, 6. Oktober: Einige Schüler der Klasse 11 verteilen Getränke und Kekse auf den Tischen in der Aula. Gleich geht es los! Wir erwarten Besuch aus Finnland! Merkliche Aufregung liegt in der Luft. Wie wohl der Gastschüler sein wird? Wer bekommt einen Jungen, wer ein Mädchen? Und wie soll das mit der Sprache werden? Immerhin müssen wir das Unternehmensplanspiel WIWAG gemeinsam absolvieren, d.h. wir Schüler vom PMG zusammen mit den finnischen Schülern – auf Englisch, versteht sich. Noch sind die Gäste nicht da, noch mal schnell an die Frischluft, die Beine vertreten. Und dann … plötzlich heißt es „Reinkommen!“, die Treppe hochgestürzt und – da sind sie ja schon! Eine Gruppe bestehend aus 13 Schülern und zwei Lehrerinnen sitzen in der Aula. Erwartungsvolle Blicke. Schnell setzten wir uns, der Zeitplan ist straff. Ein kleines musikalisches Programm durch Franziska (Akkordeon) und Kathleen (Klarinette) aus der 12 sowie Alexandra (Gitarre) aus der 11 macht den Beginn. Eine Willkommensrede durch Herrn Vogt folgt. Auch auf Englisch, natürlich. Ja und schon werden die Namen aufgerufen. Liisa und… Dörthe! Ich stehe auf. Ein Mädchen mit blondbraunen Locken sieht auf. Aha. Meine Gastschülerin. Ich winke sie zu mir. Die anderen folgen. Und jetzt? Ein kleiner Smalltalk. Wackelige Versuche, sich zu unterhalten. Aber es geht. Liisa kann wirklich gut Englisch, da komme ich mir mit meiner Sprachkenntnis ganz schön unterlegen vor. Den anderen geht es genauso. Wo um Himmels Willen haben sie so gut sprechen gelernt? Wir haben keine Zeit, diese Frage zu klären. Ein Tumult bricht aus! Wohin mit dem Gepäck? Was sollen wir jetzt machen? Da unser Besuch von Helsinki nach Prag geflogen ist und von dort einige Stunden mit dem Bus unterwegs war, machen wir uns auf den Weg zum Landratsamt, Mittag essen. An einer Tafel stehen mit Kreide die Tagesgerichte. Toll. Ich habe keinen Plan, was Bulette auf Englisch sein könnte. Sylvia ist besser vorbereitet. Sie fängt an zu übersetzen, bis uns jemand sagt, dass für die Finnen nur ein Gericht vorgesehen ist. Okay, zu früh gefreut. Aber immerhin wurden unsere Bemühungen sichtbar. Irgendwann hat dann jeder was auf seinem Teller. Die Tische sind alle besetzt. Essen ist immer gut, da hat jeder eine Aufgabe. Aber man kann ja nicht ewig schweigen. Und irgendwie klappt es dann auch, jeder redet mit jedem. Schnell bekommen wir raus, dass Marias Gastschüler Deutsch spricht. Joonas war ein Jahr in Kamenz. Gut zu wissen. Die Namen klingen interessant. Alle Vokale so lang gezogen. Noora, Laura, Jouni, Jenni…Wir versuchen uns an ersten finnischen Wörtern. Wie nicht anders zu erwarten sind es Schimpfwörter. Die merkt man sich wenigstens. ; ( Am Ende der Woche ist mein Wortschatz immerhin auf „Gute Nacht“ erweitert). Ihr glaubt nicht, wie schwer diese Sprache ist. Sagt wahrscheinlich jeder. Die Verbindungssprache in dieser Woche bleibt Englisch. Nach dem Essen holen wir die Koffer unserer Gäste. Was nun? Fr. Galle, die das Projekt leitet, lässt uns Freizeit. Für heute steht nichts mehr an. Mmh… das Wetter ist schlecht. Na prima. Die Meisten wohnen auf dem Dorf und wollen natürlich erst mal das Zeug wegschaffen. Aber wir ergreifen die Initiative und verabreden uns alle am Nachmittag in der Stadt. Maria, Joonas, Linda, Joonas (es gab zwei!), Liisa und ich gehen los. Der Regen bleibt. Der Plan: Gepäck zu mir schaffen. Schließlich sitzen wir zu sechst in der Küche. Schweigen. Das Eis zu brechen erweist sich als schwierig. Ich hole den Atlas, Liisa zeigt mir, woher sie kommen. Hämeenlinna liegt ca. 100km nördlich von Helsinki, ihrer Hauptstadt. Die Zeit vergeht irgendwie nicht, trotz Regen machen wir eine Runde durch die Stadt. Irgendwann, nach einer gefühlten Ewigkeit, trudelt der Rest ein. Die Stimmung steigt. Was kann man eigentlich mit jugendlichen Gästen in Bautzen machen? Bei schlechtem Wetter? Eine harte Nuss. Aber ideenreich, wie wir sind, finden wir genügend Beschäftigungen. Das Kornmarktcenter wird von unseren Besuchern gestürmt. Schuhe und Klamotten sind hier so schön billig, für finnische Verhältnisse. Während die einen shoppen, machen sich die anderen auf den Weg ins Chelo. Um sechs treffen wir uns aller wieder – in der BiGa. Der Abend wird noch sehr lustig, wir zocken eher schlecht als recht Billard und lachen viel, die ersten peinlichen Fotos entstehen und der Tag nimmt noch einen positiven Verlauf. Irgendwann gehe ich mit Liisa nach Hause. Wir essen noch was und unterhalten uns. Sie erklärt mir ihr Schulsystem und erzählt von Finnland. Der Tage wäre „geschafft“. Müde fallen wir ins Bett. Zum Glück müssen wir am nächsten Tag erst um 10 Uhr in der BA sein. Dienstag, 7.Oktober: Nach einem gemütlichen Frühstück laufen Liisa und ich in die BA. Da ich schon einmal an der WIWAG teilgenommen habe, erkläre ich ihr, um was es geht. Wir werden in Gruppen aufgeteilt und stellen jeweils ein fiktives Unternehmen da, das wir im 10. Geschäftsjahr übernommen haben. In jedem Unternehmen müssen bestimmte Entscheidungen gefällt werden, Arbeitsplätze, Produktion, Material. Und genau das machen wir auch in der WIWAG (Wirtschaftswochen-Aktiengesellschaft). Fr. Fehse hilft beim Übersetzten während Fr. Galle das Spiel erläutert. In dieser Woche produzieren wir übrigens Teddybären, darüber haben wir gemeinsam abgestimmt. In unseren Gruppen erfüllen wir dann Aufgaben, müssen unser Team vorstellen und entscheiden, ob wir neue Maschinen kaufen sollten oder nicht. So setzt sich die Arbeit der WIWAG bis zum Donnerstag fort. Die Gruppen sind bunt gemischt, Finnen und Deutsche, drei von uns haben die WIWAG schon einmal gelöst. Das Ziel ist es natürlich, mit seinem Unternehmen erfolgreich zu sein. Wir müssen uns an die Konjunktur anpassen, Prognosen und Konkurrenz beachten und am besten schwarze Zahlen schreiben. Neben unseren zu erfüllenden Aufgaben hören wir Vorträge über Finanzierung und Marketing auf Englisch, die uns bei unseren Entscheidungen helfen sollen. Unsere Ergebnisse präsentieren wir am Donnerstag in der Aula vor einer Jury. Bis dahin ist aber noch Zeit. Dienstagnachmittag machen wir eine Stadtführung. Jeder Schüler vom PMG hat etwas vorbereitet und am Ende kennen die Finnen Bautzen vom Reichenturm, über Spree und Dom bis zum Theater. Danach ist Schluss. Was tun? Wie wäre es mit einem Filmabend? Auch hier haben wir schnell alles eingerührt. Abends treffen wir uns bei Claudia in Soritz. Am Ende sitzen sechsundzwanzig Leute in einem Wohnzimmer vor einem Fernseher und verdrücken dabei kiloweise Nudeln! Der Mittwoch beginnt mit der Arbeit in der BA, nachmittags fahren wir nach Kleinwelka. Wie kleine Kinder rennen wir in der Saurierpark und lassen uns in der Sonne braten. Am Abend werden Bautzens Bars gestürmt, ein Teil der Finnen geht sogar mit ins TiK und hört TENSING Bautzen bei der Probe zu. Was für ein actionreicher Tag. Nachdem wir auch das Caracas unsicher gemacht haben, gehen Liisa und ich Heim. Wir wollen nur noch schlafen. Morgen geht’s ans Eingemachte… Donnerstag, 9. Oktober: Ordnungsgemäß gekleidet treffen wir uns in der Schule. Die Aufgabe ist klar – wir müssen eine Präsentation auf Englisch erarbeiten und unsere Unternehmen mit den Zielen und Ideen gut rüberbringen. Auch wenn man rote Zahlen schreibt. Insgeheim tippen wir auf Unternehmen 1. Die einzige Gruppe, die wirklich Gewinn gemacht hat. Der Rest liegt im Minusbereich. Aber ese kommt anders. Nachdem alle Teams mit den Präsentation fertig sind und Rede und Antwort gestanden haben, trifft die Jury ihre Entscheidung. Unternehmen 4 gewinnt! Mein Unternehmen! Mit dem Slogan „HoneyBears – Everybody needs something to cuddle!“ und unserer Unternehmensführung haben wir es geschafft! Ein Dank noch mal an Lisa(!) und Elisa. Die Belohnung – ein Buch … auf Englisch. War ja irgendwie klar. Anschließend fahren wir zu Jokeyplast nach Sohland. Eine „richtige“ Firma besichtigen muss auch sein. In zwei Gruppen erkunden wir den Betrieb und haben mit unseren Hauben auf dem Kopf sichtlich Spaß. Zurück in Bautzen geht es wieder in diverse Bars. Wir benehmen uns natürlich und bewegen uns nur ihm Rahmen des Gesetzes. Also meistens zumindest. Freitagfrüh fahren wir nach Dresden. Uns wird absolut nicht langweilig. Erst die Alten Meister, also Kultur vom Feinsten, danach 4 Stunden Freizeit Mit dem Bus geht es zurück nach Bautzen und weiter nach Soritz. Auf dem Sperlingshof veranstalten wir unseren Abschlussabend mit Lagerfeuer und Grillen. Auch wenn es dem ein oder anderen nicht so gut ging und es im Bus schon zu diversen Zwischenfällen kam (<em>jemand</em> hatte was Falsches gegessen…) wurde der Abend noch lang und munter. Angeführt durch die Finnen mussten wir Aufgaben lösen (wir hatten echt keinen Plan von Finnland, wie peinlich) und Lauri bot uns noch ein finnisches Lied. Aber irgendwann geht auch die schönste Zeit vorbei. Wir mussten nach Hause und schon war der Samstag da, schneller als erwartet. Um neun sollte der Bus kommen, mit dem die Finnen nach Prag mussten. Irgendwann waren dann alle in den Schilleranlagen. Die ganze Gruppe war relativ ruhig, die letzten fünf Tage waren ja auch anstrengend. Ja und dann… dann hieß es verabschieden. Tränen gab es nicht, wir haben das alle ganz lustig über die Bühne gebracht. Hier und da noch eine Mailadresse ausgetauscht, noch schnell ein Abschiedsfoto und schon fuhren sie los&hellip Die Woche mit den finnischen Austauschschülern war ein voller Erfolg. Auch wenn die Arbeit am Planspiel zäh und schwierig war, hatten wir alle viel Spaß. Wir hoffen natürlich, nächstes Jahr selber nach Finnland zu fahren, immerhin soll es ja ein Austausch sein. Wer selbst einmal die Chance bekommt, an so einem Projekt teilzunehmen, sollte nicht zögern! Und macht euch wegen der Sprache keine Gedanken, zum unterhalten reicht es alle mal. Ich bedanke mich noch mal bei Ralf (unserem einzigen Jungen!) und den Mädels für die absolut geniale Woche! Ihr wisst – haissta vitu … oder so ähnlich. | | | |